– Herr Xander, vor Kurzem erschien Ihr neuer Roman »Chaos – Die Brudergeschichte«. Womöglich hat noch nicht jeder Besucher unserer Webseite Notiz von dem Buch genommen, könnten Sie es unseren Lesern daher kurz mit eigenen Worten vorstellen?

»Chaos – Die Brudergeschichte« handelt von einer Liebe zwischen zwei Brüdern, Missbrauch, Gewalt, Mobbing und Sehnsüchten. Das Buch ist eine dramatische Liebesgeschichte mit vielen Geheimnissen und herzergreifenden Momenten.

– Den Lesern welcher anderen Autoren oder welcher anderen Romane würden Sie Ihren Roman ans Herz legen? Haben Sie literarische Vorbilder? Was sind Ihre eigenen Lieblingsromane?

Hmmm ... das ist eine sehr gute Frage, da ich ein Lesemuffel bin und höchstens mal eine Leseprobe lese. Vorbilder habe ich somit keine. Ich würde sagen, dass jeder Leser, der nicht auf Kitsch steht, mit meinen Werken etwas anfangen kann. Meine Bücher sind in der Regel ernster und befassen sich mit realen Themen.

– Romane mit schwulen Protagonisten erscheinen inzwischen in großer Zahl – seien es reine Liebesromane, Dramen oder schwule Fantasyromane. Was halten Sie selbst für die größten Alleinstellungsmerkmale Ihres Buches, wegen denen man aus dem großen Angebot gerade bei Ihnen zuschlagen sollte? Was hebt »Chaos – Die Brudergeschichte« von anderen dramatischen Liebesromanen ab?

Ich schätze einfach, dass ich mit »Chaos« eine ganz andere Richtung einschlage als die meisten Autoren, die in diesem Genre tätig sind. In der Regel scheint es sich um einfache Liebesromane zu handeln – zumindest habe ich den Eindruck, wenn ich mir Klappentexte oder Rezensionen durchlese. X trifft auf Y, die unterschiedlicher nicht sein könnten, kommen sich dann aber doch irgendwie näher und bemerken, dass sie füreinander geschaffen sind. Sie haben Sex und das große Happy End folgt rasch. Bei meinen Geschichten ist es noch nie nach diesem Standardschema abgelaufen. Es ist nicht mein Stil und ein Happy End ist bei mir auch nicht immer garantiert. Bei mir muss man stets auf alles gefasst sein – außer auf das Übliche. Hinzu kommt, dass ich nicht wie viele andere in der Ich-Form schreibe. Diese Art des Schreibens ist leicht, weil man sich im Grunde nur auf eine Person konzentrieren muss. Allerdings finde ich es viel interessanter, wenn man auch die anderen Charaktere besser kennenlernt, und zwar aus deren Blickwinkel geschildert, nicht aus der einer anderen Person. In »Chaos« gibt es viele Charaktere, die eine Geschichte zu erzählen haben. Sei es nun Bastian, Lucas oder auch Karin. Sicherlich ist es mehr Arbeit, mehrere Personen mit Leben zu füllen, aber es macht auch gewiss mehr Spaß. Abgesehen davon finde ich, dass man nur Ich-Form-Geschichten schreiben sollte, wenn man diese auch wirklich erlebt hat. Manchmal greife aber auch ich auf diese Erzählform zurück, wenn es zur Geschichte passt. Es gibt eine dramatische Szene in »Chaos«, in der Karin ihren Freunden über ihre Vergangenheit erzählt. Dies tut sie in der Ich-Form. So hat der Leser die Möglichkeit, sie noch besser kennenzulernen.

– Was macht Bastian und Lucas, die beiden Protagonisten Ihres Romans, zu zwei solch »besonderen« Charakteren, dass man sie unbedingt kennenlernen sollte? Was schätzen Sie an ihnen persönlich?

An Lucas schätze ich, dass er sich nichts gefallen lässt und einen klaren Menschenverstand besitzt. Er ist zu niemandem unfreundlich, macht sich im Beisein anderer über keinen lustig, hat Anstand und ist trotzdem eine coole Socke. Er wird nur feindselig, wenn man ihn blöd anmacht, und wenn er es dann wird, dann meist mit sarkastischen Äußerungen. Ein sehr liebenswürdiger Charakter, mit dem man eine Menge Spaß haben kann.
An Bastian hingegen mag ich diese Schüchternheit. Allerdings würde ich ihm gerne mal in den Hintern treten und ihm sagen, er solle sich gefälligst wehren. Aber das darf gerne Lucas übernehmen.
Lucas und Bastian sind einfach anders als die ganzen anderen Menschen, die in diesem Buch vorkommen. Sie gehören nicht zu diesen Leuten, die keinen Respekt besitzen. Die beiden pöbeln nicht herum, werden nicht beleidigend. Sie wollen nur ihr eigenes Leben leben.

– Sie haben sich dazu entschlossen, in Ihrem Buch auf explizite Liebesszenen zu verzichten und sie stattdessen separat zu veröffentlichen. Wie kam es dazu?

Ich verzichte gern auf die Darstellung von Sex – vor allem, wenn er mitnichten zur Geschichte passt. In »Chaos« hat es auf keinen Fall gepasst. Es hätte die Dramatik zerstört und aus dem Buch einen üblichen schwulen Roman gemacht, in dem es in der Regel nur um Sex geht. Sicherlich mag ich die Erotik – vorwiegend in der Form von Bildern und Filmen –, aber meine Bücher sollen eine Geschichte erzählen und kein Porno sein. Wenn es zur Geschichte passt, wie bei »Glory«, wo die Hauptdarstellerin eine Sexsüchtige ist, dann ist es hingegen etwas vollkommen anderes. Jedoch muss ich auch sagen, dass mich das Schreiben von Sexszenen mit der Zeit ziemlich langweilt. Es ist stets das Gleiche, nur mit anderen Charakteren. Und ich habe mittlerweile so oft über das erste Mal geschrieben, dass ich es leid bin, dies erneut zu tun. Hinzu kommt, dass die Ausdrucksweise eines Schwulen stets herber ist als die, die manche Frauen in ihren Sexgeschichten verwenden. Die meisten schwulen Männer mögen diese Form der Sprache und damit kommen einige Damen nicht wirklich zurecht. Für sie ist es unerotisch und alles andere als prickelnd.

– Von außen betrachtet hat man den Eindruck, dass Romane, in denen die Beziehung und die Probleme schwuler Männer im Mittelpunkt stehen, fast ausschließlich weibliche Leserinnen haben. Warum entwickeln Ihrer Meinung nach gerade Frauen ein Faible für die niedergeschriebene Liebe zwischen Männern?

Die meisten Bücher, die von Schwulen handeln, stammen in der Tat von Frauen – was mich immer wieder verwundert. Warum so viele Damen eine Vorliebe für Bücher mit homosexuellen Charakteren haben, weiß ich nicht – aber es wäre schlimm, wenn dem nicht so wäre, denn die meisten schwulen Männer lesen nicht. Ich glaube aber, dass allgemein mehr Frauen als Männer Bücher lesen – egal in welchem Genre. Im Grunde spielt es aber auch keine Rolle, ob jetzt ein Mann oder eine Frau ein Buch mit schwulen Charakteren liest. Jedem das Seine. Leider ist es ja noch so, dass viele Leser einen großen Bogen um Bücher machen, die von Homosexuellen handeln. Vielleicht wird sich das eines Tages ändern, vielleicht aber auch nicht.

– Sie schreiben nicht nur dramatische Liebesromane, sondern auch Horror- und Erotikgeschichten. Wie passen speziell der Horrorpart und Ihre restliche Arbeit zusammen, wie kam es zu dieser ungewöhnlichen Kombination? Und anhand welcher Maßstäbe entscheiden Sie, in welche Richtung das jeweils nächste Projekt gehen soll?

Es würde mich enorm langweilen, stets nur im gleichen Genre zu schreiben. Mein erstes Buch, das ich mit 17 Jahren schrieb, war eine Fantasygeschichte, danach folgte ein Drama. Kurz darauf verfasste ich eine Horrorerzählung. Ich brauche einfach Abwechslung und will mich austoben. Obendrein lernt man nie aus, entwickelt sich stets weiter. Ich schätze, dass ich früher oder später fast jedes Genre durchhaben werde. Zurzeit liegen zwei kürzere Horrorgeschichten und ein Kinderbuch vor mir. Ich schreibe immer das, wonach mir gerade ist, und plane nicht im Voraus. Würde mir jetzt zum Beispiel ein Verleger sagen, dass ich eine Formwandlergeschichte schreiben soll, um auf Platz 1 zu landen, würde ich es nicht tun, da ich mit solchen Geschichten absolut nichts anfangen kann. Auch wenn man mir zig Tausende von Euros anbieten würde, ich würde den Kopf schütteln. Nach »Shades Of Grey« habe ich beobachtet, dass viele ähnliche Bücher auf dem Markt geworfen wurden. Frau trifft auf einen Millionär. Ich meine, zig Bücher davon in den Top 100 gesehen zu haben. Eine ähnliche Geschichte hatte ich 2013 mit Andrew Summers veröffentlicht. Das Buch hieß »GayRomeo«, wo ein Arbeitsloser einen gut aussehenden und reichen Kerl im Internet kennenlernt. Allerdings wurde das Original schon 2009 verfasst und erst 4 Jahre später in meinem eigenen kleinen Verlag (X-Scandal Books) publiziert. Dass gleich ein paar Tausend davon gekauft wurden, hatte mich doch recht überrascht, zeigt aber, dass dieser Standard weiterhin sehr beliebt ist. Jedoch weigere ich mich, eine weitere Geschichte mit solch einem Inhalt zu verfassen. Nicht nur, weil ich keine Lust dazu habe, sondern auch, weil danach bereits viele ähnliche Geschichten von anderen Autoren folgten.

– Was können wir von dem Autor Alec Xander in der nächsten Zukunft erwarten? Sind bereits neue Buchprojekte in Planung? Stehen außerdem Termine für Messen, Lesungen & Co. fest, bei denen man Sie live erleben kann?

Wie schon erwähnt, da sind die beiden Horrorgeschichten und das Kinderbuch. Danach folgt wahrscheinlich wieder ein dramatischer Liebesroman oder vielleicht auch die Fortsetzung von »Chaos«, aber das weiß ich noch nicht. Lesungen habe ich in den letzten 5 Jahren noch keine gehalten. Um ehrlich zu sein, bin ich ein grauenhafter Vorleser. Das war ich schon in der Schule. Ob man mich in naher Zukunft irgendwo live erleben kann, steht in den Sternen geschrieben. Es wird sich zeigen.